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Veröffentlichungen in der Presse

Lupe oder Fernglas

LupeJeder Mensch betrachtet die Welt um sich herum durch mehrere Filter. Ich nenne nur einige davon, wie

- anerzogene Verhaltensweisen

- gemachte Erfahrungen

- erlebte Ereignisse

- persönliche Sichtweisen

- innere Glaubenssätze oder

- feste Überzeugungen

Was wir uns aber nicht bewusst machen, ist die Eigendynamik eben dieser Filter. Es ist der so genannte blinde Fleck, der zuverlässig verhindert, dass wir uns selbst objektiv reflektieren können. Kein Mensch der Welt kann also ganz und gar objektiv sein. Leuchtet sicher jedem ein und müssen wir wohl so hinnehmen. That´s life.

In meinen Beratungsgesprächen oder auch in Seminaren nenne ich, um diesen Effekt deutlich zu machen, gerne einmal bekannte Personen der Zeitgeschichte und lasse diese anschließend benoten. Danach kommt dann natürlich die Frage, wie man zu der abgegebenen Beurteilung gekommen ist und was es genau war, warum die jeweilige Note vergeben worden ist. Und siehe da , in fast keinem einzigen Fall waren es persönliche Erlebnisse mit diesem Prominenten, die dazu geführt haben. Zumeist kennt man die Person nicht einmal persönlich. Es sind also zumeist die Summen übernommener Meinungen, entweder aus Presse, Rundfunk oder Fernsehen oder aber Gehörtes von irgendwelchen Leuten. Das bemerken die Befragten aber meist erst dann, wenn ich die Frage stelle, welche konkreten Erlebnisse bzw. persönlichen Erfahrungen zu der vorhin abgegebenen Beurteilung geführt haben.

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: wenn ich schon nichts gegen die Existenz meiner Wahrnehmungs-Filter machen kann, so kann ich mir doch jederzeit die Frage stellen, ob ich sie haben will oder eben nicht. Eine Frage des inneren Dialoges mit mir selbst also. Im Außen merkt von diesem Prozess niemand etwas. Was meine Umwelt aber sehr wohl registriert, ist, wie vernagelt oder aber offen meine Haltung gegenüber Menschen und Ereignissen ist. Ich glaube, dass wir es immer wieder neu entscheiden können, ob wir die Welt durch eine Lupe oder mit dem Fernglas betrachten, ob wir mit zunehmendem Alter eher kleinkariert, knauserig und rechthaberisch werden oder ob unser Interesse den größeren Zusammenhängen gilt und wir mit großem Herzen und weltoffenem Verstand durch unser Leben gehen. Raten Sie einmal, wer mit sich selbst zufriedener ist und mit seinem Leben besser zu recht kommt.

Albert Einstein hat sich zum Thema Sichtweisen einmal so geäußert:

„Ich denke, wir sollten den Kosmos nicht mit den Augen
eines Rationalisierungs-Fachmannes betrachten.
Verschwenderische Fülle gehört seit jeher zum Wesen der Natur.“

Da wir selbst unstreitig ein Teil der uns tragenden Natur sind, gilt dieses Prinzip natürlich auch für jeden von uns. Denken Sie also gerade jetzt in dieser besinnlichen Vorweihnachtszeit immer wieder einmal an die Definition von Weisheit: die Dinge von außen und mit immer größerem Abstand betrachten.

Ein sehr gutes Handwerkszeug, außer dem Fernglas sind dazu übrigens die drei Siebe, die in dieser kleinen Geschichte beschrieben werden:

Eines Tages kam ein Bekannter zum griechischen Philosophen Sokrates gelaufen.

"Höre, Sokrates, ich muss dir berichten, was dein Freund über Dich...."

"Halt ein" unterbrach ihn der Philosoph. "Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?"

"Drei Siebe? Welche?" fragte der andere verwundert.

"Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst geprüft, ob es auch wahr ist?"

"Nein, ich hörte es erzählen, und..."

"Nun, so hast du es sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?" Der andere zögerte. "Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil....."

"Nun", unterbrach ihn Sokrates. "so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint." "Notwendig gerade nicht...."

"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit."

Albrecht Henze

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