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Veröffentlichungen in der Presse

Das Recht auf Meinungs-Änderung

Ein Kriegsschiff befand sich auf offener See. Die See war unruhig und Nebelschwaden erschwerten die Sicht. Kurz nach Anbruch der Dunkelheit meldete der Ausguck: "Licht Steuerbord voraus!"

"Bleibt es stehen, oder bewegt es sich?" fragte der Kapitän.
Der Ausguck antwortete: "Es bleibt, Kapitän."

Das Schiff befand sich also auf einem gefährlichen Kollisionskurs mit dem anderen Schiff. Da rief der Kapitän: "Schicken Sie dem Schiff ein Signal: Wir sind auf Kollisionskurs und empfehlen 20 Grad Kursänderung."

Zurück kam das Signal: "Empfehlen Ihnen, den Kurs um 20 Grad zu ändern."

Der Kapitän sagte: "Melden Sie: Ich bin ein Kapitän, Kurs um 20 Grad ändern."

"Ich bin ein Unteroffizier“, lautete die Antwort. "Sie sollten Ihren Kurs besser um 20 Grad ändern." Inzwischen war der Kapitän ziemlich wütend. Er schimpfte: "Signalisieren Sie, dass ich ein Kriegsschiff bin. Er soll den Kurs um 20 Grad ändern."

Prompt wurde eine Antwort zurückgeblinkt: "Und ich bin ein Leuchtturm."
Das Kriegsschiff änderte sofort den Kurs. Sonnenuntergang

Annahmen verändern die Wahrnehmung, wie dieses Beispiel zeigt. Und wenn wir uns erst einmal auf eine Annahme festgelegt haben, dann können wir uns eben auch ganz schnell lächerlich machen, wenn sich diese als falsch herausstellt.

Heute möchte ich Sie und mich daran erinnern, dass wir nicht nur ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben, in vielen Demokratien ist dieses sogar gesetzlich verbürgt, sondern dass wir ebenso frei sind, jederzeit unsere Meinung zu ändern. Nehmen wir einmal an, Sie haben zu einem ganz bestimmten Thema eine feste Meinung. Und jetzt kommt so ein neunmal kluger Mensch und fragt Sie, welche persönlichen Erfahrungen Sie denn gemacht haben, um zu dieser Ansicht zu gelangen. Es könnte bei nervösen Zeitgenossen durchaus sein, dass alleine die Frage als Provokation und der Frager zumindest als störend empfunden wird. „Unverschämtheit, jetzt muß ich mich auch noch rechtfertigen für meine Sicht der Dinge“.

MeinungAchten Sie einmal darauf, wie dünn manchmal unsere Argumente sind und wie das persönlich erlebte verallgemeinert wird. „Das würden Sie an meiner Stelle genauso sehen“ und „das weiß doch jeder“ sind dann die typischen Abschluß-Techniken , die dem Ego sein Ansehen sichern. Wirklich dramatisch wird es aber, wenn es in Wirklichkeit gar keine Meinung, sondern nur eine „Anderung“ ist. Die eigene Meinung kann man ja schließlich nur bilden durch persönliches Erleben, Empfinden und Einschätzen. Alles, was wir von „anderen“ übermittelt bekommen, dürfte also eigentlich nie zu einer eigenen Meinung werden. Es ist schließlich nur die Übernahme einer Beurteilung anderer Menschen und damit, gestatten Sie mir die Wortschöpfung eine “Anderung”. Entscheidend ist in diesem Fall, wie viel wir selbst über einen Sachverhalt wissen. Der Lehrsatz lautet: Je weniger wir selbst wissen, desto mehr müssen wir glauben und sind dadurch manipulierbar!

Natürlich kann und wird sich jeder seine Meinung über die Dinge bilden, wichtig ist dabei nur, sich bewußt zu machen, was zu eben dieser geführt hat. Vorsicht: auch wenn alle Zeitungen, Rundfunk- und TV-Sender im gleichen Tenor berichten, muß es trotzdem nicht wahr sein! Ich gehe noch weiter: auch wenn wir in einer Sache sogar alle der gleichen Meinung wären, wir könnten uns auch alle irren! Machen Sie sich doch nur einmal bewußt, wie viele wissenschaftlich fundierten Lehrmeinungen im Laufe der letzten Jahre umgestossen wurden. Paradigmenwechsel nennt man das dann. Hört sich gut an, meint aber, da haben wir uns mächtig geirrt. Andererseits sind auch viele neue Entdeckungen überhaupt erst enstanden, weil man bei Experimenten sogannte Fehler gemacht hat.

Es macht übrigens richtig Spaß, seine eigenen Überzeugungen ab und zu einmal auf den Prüfstand zu stellen. Auch und vor allem, wenn es um die Beurteilung von Menschen geht. Ich denke dabei an die Geschichte, als der Bürgerechtler Martin Luther King einmal nach seiner Meinung zu einem General gefragt worden ist. Er lobte dessen Tapferkeit, Klugheit und Besonnenheit. Und auf die Frage des völlig verduzten Reporters, ob er nicht wüßte, dass eben dieser General keine Gelegenheit ausließe, um ihn schlecht zu machen, antwortete King: „Sie haben mich doch nach meiner Meinung über ihn gefragt. Und die hat mit dem, was er über mich denkt ja nun wirklich nichts zu tun.“ Die Lehren aus dieser Geschichte versuche ich jeden Tag auf´s Neue zu ziehen. Und sie erinnert mich immer an Sokrates, der dazu einen tollen Vorschlag gemacht hat. Sie finden ihn in dem Artikel „Lupe oder Fernglas“.

Albrecht Henze

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