Negaholismus Die Volks“krankheit“ Nummer 1Kein noch so schwarzer Freitag, keine Rezession, keine körperliche und auch keine geistige Krankheit richtet weltweit so viel Schaden an, wie die Krankheit, der wir den Namen "Negaholismus" geben wollen. Abgeleitet aus dem lateinischen Wortstamm "negare", also verneinen, bedeutet diese Wortkombination etwa soviel: "nega" = negativ, "holiker" = jemand, der einer Sucht verfallen ist. Nähern wir uns dem milliardenschweren Misserfolgsinstrument auf wissenschaftlichem Wege, dann beginnen wir folgerichtig erst einmal damit, die zu lösende Herausforderung zu benennen, zu beschreiben und zu analysieren. Wichtig ist, dass wir nicht nur erkennen oder besser gesagt erahnen, wie groß der volkswirtschaftliche Schaden ist, der durch diese Krankheit entsteht, sondern dass wir den immateriellen Schaden an Körper, Geist und Seele berücksichtigen. Befragungen in den mittleren und oberen Management-Etagen deutscher Unternehmen zeigen ein erschreckendes Ergebnis: über 2/3 aller Entscheidungsträger sind mehr oder weniger stark von dieser „Krankheit“ namens Negaholismus befallen. Doch woher kommt diese „Krankheit“ und wie sind die Symptome“? In den meisten Fällen entsteht sie in der Kindheit, also durch kindliche Lernerfahrung und Erziehung. Entscheidend ist tatsächlich, ob die erziehenden Eltern es fertig bringen, dem Nachwuchs ein unerschütterliches Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben. Welche Persönlichkeit im kleinen Kind ausgebildet wird, lässt sich spätestens in der typischen Kindersituation feststellen, bei der die Gleichaltrigen mit dem Ausruf provozieren: "Du traust Dich ja doch nicht!". In diesem Moment beginnen zwei Persönlichkeiten in dem jungen Menschen einen unerbittlichen Kampf, der aber entscheidend für den Rest des Lebens sein kann. Die Rede ist von der "Ich kann"-Persönlichkeit und der "Ich kann nicht"-Persönlichkeit. Was sich im Laufe des Lebens eines Menschen nur ändert, sind Formulierungen, Umstände und Situationen. Was aber bleibt, sind die binären Persönlichkeiten und ihr lebenslanger Zweikampf. Die Grundausstattung eines in Gesundheit und mit Freude aufgewachsenen, erfolgreichen Menschen ist ein unerschütterliches Selbstvertrauen. Im frühen Alter sind also die Eltern dafür verantwortlich, dass sich ein solches, nicht an äußere Bedingungen geknüpftes, Selbstvertrauen überhaupt entwickeln kann. Wie aber sollen sie das tun, wenn sie selbst von Selbstzweifeln und Versagensangst geplagt werden oder als Lebenssinn nur ihr vermeintliches Schicksal erfüllen? Der entscheidende Moment in diesem Entwicklungs-Stadium ist dann gekommen, wenn das Kind zum ersten Mal einen Misserfolg erlebt. Wichtig ist, dem Kind klarzumachen, dass sein persönlicher Wert durch diesen Misserfolg nicht beeinträchtigt ist, sondern dass dieser scheinbar negative Vorfall lediglich ein Hinweis darauf ist, dass es so nicht funktionieren kann. Diese Feststellung aber motiviert ein körperlich, seelisch und geistig gesundes Kind automatisch zu der Frage: "Wie funktioniert es dann?". Mit unerschütterlicher Lebensfreude folgt sodann der Ausspruch: "So, und jetzt probier ich's noch einmal!" Dieses gesunde Kinderverhalten, so bestätigen eine ganze Reihe von Verhaltensstudien, ist übrigens der ideale Nährboden für besonders kreative Menschen. Der Umkehrschluss liegt in Berichten aus den USA vor, wo man erst kürzlich festgestellt hat, dass besonders erfolgreiche Topmanager schon von Kindesbeinen an niemals den geringsten Zweifel gehabt haben, dass ein Vorhaben nicht gelingen könnte. Natürlich haben auch sie Rückschläge erlitten, sie aber niemals als unabänderlich akzeptiert. Und das ist der entscheidende Punkt: misslingt nämlich das Vorhaben, obwohl das Kind an seinen Erfolg geglaubt hat, dann stellt sich die Frage nach der Bewertung und Einschätzung dieses Fehlversuchs. In der Regel passiert leider folgendes: das Kind stellt fest, dass es an sich geglaubt hat und von sich überzeugt war, und dass dieser Glaube und diese Überzeugungen offensichtlich falsch waren. In der Ratio wird erkannt, und das ist für die natürliche Entwicklung durchaus gesund, dass Misserfolge zum Leben gehören. Fällt ein solches Erlebnis auf eine instabile Psyche, dann wird das Erlebte in eine Erfahrung umgewandelt und mit dem Resultat versehen: "Na also, du kannst es ja doch nicht". Addieren sich diese Erfahrungen im Laufe des Lebens (in der Regel tun sie das mit enormer Präzision), so wird dieser Mensch fast zwangsläufig zu einem fatalistischen Einstellungsnegaholiker. Dieser neigt dann ein Leben lang dazu, sich immer wieder von neuem zu beweisen, dass er es ja "gleich gewusst hat", dass es nicht funktionieren kann. Seine Grundeinstellung, dass das Leben ein Kampf ist, wird er durch tausenderlei Erlebnisse bestätigt finden. Gehen wir noch einmal zurück zu unserem Beispiel der konkurrierenden Persönlichkeiten in dem Kind. In den ersten Lebensjahren entscheidet sich also nicht nur, welche der beiden Persönlichkeiten ("Ich kann" oder "Ich kann nicht") künftig Präferenz haben wird, sondern auch, wie solche Erfahrungen bewertet werden. Hier liegt nämlich der Keim für die verschiedenen Arten des Negaholismus. Außer dem oben geschilderten Symptom des "Ich kann nicht" kommt es jetzt noch entscheidend auf die Schuldzuweisung an. Es kommt nun zu der Überlegung: "Warum konnte ich nicht?" Dabei beantwortet sich das Kind die Frage "Lag es an mir?", "Bin ich minderwertig, womöglich nicht lebensfähig?" oder, schlimmer noch, neudeutsch "ein Looser?" oder gelingt es der Kreativität, den Misserfolg an äußeren Umständen festzumachen? Die Schlussfolgerung wäre fatal: immer wenn dies und das geschieht, oder dieser und jener dabei ist, dann ist der Misserfolg unvermeidlich. Solche Gedanken und Selbstrechtfertigungen sind an sich legitim, nur müssen wir klar erkennen, dass sie die Viren sind, die den Negaholismus auslösen. Das Schlimme an diesem Erlebnis ist ja nicht, dass das Kind die Schuld für sein eigenes Versagen in Äußerlichkeiten sucht, sondern die Tatsache, dass es das Kind überhaupt nur mit diesem Hilfsmittel kompensieren kann. Es hat offensichtlich nicht ausreichend erfahren, dass das Leben ein wunderbares Spiel ist, bei dem Misserfolge lediglich nützliche Botschaften sind, die darauf hinweisen, wie etwas nicht funktioniert. Achten Sie doch in den nächsten Tagen einmal darauf, welche ihrer Mitmenschen Erfolgs-Sucher und welche so genannte Misserfolgs-Vermeider sind. Versuchen Sie aber auch, die Beobachtungen freizuhalten von Bewertungen. Aus der Verhaltensforschung wissen wir ja, dass jeder Mensch, der geistig gesund ist, sich - durch welche Maßnahmen auch immer - vollständig verändern kann. Bewerten wir also unser Gegenüber, dann sollten wir dies aus der Erkenntnis tun, dass er aus unserer Sichtweise und durch sein derzeitiges Verhalten mit großer Wahrscheinlichkeit diese oder jene Präferenz hat. Das Denken in Schubladen - eine Folge langjährigen Negaholismus - verkleinert ja schließlich immer nur die Möglichkeiten des Betrachters. Diese Negaholikertypen können wir im Alltag finden:Der Perfektionist Er verbindet positives und negatives in einer Person. Er stellt sehr hohe Ansprüche an sich selbst und an andere. Er erwartet Vollkommenheit und akzeptiert nichts, was nicht an das Ideal heranreicht. Positiv ist, dass ein solcher Mensch immer hervorragende Leistungen erbringt, während es auf der anderen Seite schwierig bis unmöglich ist, es ihm recht zu machen. Jede Unvollkommenheit ist ihm unerträglich und der Druck, seinen eigenen Ansprüchen zu genügen, ist sehr hoch. Sein psychologischer Unterbau zeigt eine tiefe Angst unzulänglich zu sein und dadurch bloß gestellt zu werden. Der sich ständig Überfordernde Er ist verwandt mit dem Perfektionisten und stellt ständig Ansprüche an sich, bzw. setzt sich ständig Ziele, die unrealistisch und nicht erreichbar sind. Damit schafft er eine innere Dynamik, die seine Situation als Verlierer stets verschärft. Liegt bei ihm ein Papierfetzen auf dem Boden, gerät er außer sich und das gleiche gilt für geringe Verspätungen, ungebügelte Arbeitskleidung oder nicht beachtete Vorschriften. Seine Einstellung lautet: "Nichts ist gut genug." Der Aufschieber Er handelt nach dem Lebensprinzip des Mañanasyndroms. Diese Einstellung hindert ihn natürlich daran, Arbeiten fristgerecht abzuliefern oder das gegebene Wort einzuhalten. Er hat auch immer das Gefühl einer bevorstehenden Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Sein Leben verläuft am besten nach der Regel: "Verschiebe nichts auf morgen, was Du auch auf übermorgen verschieben könntest." Der Wiederholungstäter Er ist in seiner Einstellung festgefahren und sieht daraus auch keinen Ausweg. Es handelt sich oft um liebenswürdige Menschen, die aber immer wieder über die Schnur stolpern, die sie sich selbst über den Weg gespannt haben - und dies trotz bester Absichten. Ein idealer Nährboden für die sogenannte sich-selbst-erfüllende Prophezeiung (SEP). Die zweite Geige Bei ihm steckt das Leben voller Hindernisse, anstatt voller Resultate. Das befriedigende Gefühl zu sein, zu tun oder zu bekommen, was er will, liegt stets außerhalb seiner Reichweite. Er wird immer etwas länger warten müssen, als andere, um befördert zu werden. Er ist extravertiert, freundlich und warmherzig, doch in seinem Innersten glaubt er fest daran, daß er es nie wirklich zu etwas bringen wird. Der Nörgler Dieser Typ hat hohe Ideale und nimmt erbarmungslos jedes Wort, jede Geste, jede Handlung, jedes Ereignis kritisch auseinander. Das gilt sowohl für ihn selbst, als auch für seine Umwelt. Er fühlt sich selbst wertlos, Situationen oft hoffnungslos und denkbare Handlungsschritte zwecklos. Der nachträgliche Fehlerfinder Er betrachtet das ganze Leben gleichsam durch einen Rückspiegel. So nimmt er bereits Geschehenes gerne noch einmal gründlich unter die Lupe, um endlos darüber zu grübeln und entdeckte Fehlentwicklungen bis ins Unermessliche aufzubauschen. Er konzentriert sich darauf, Fehler zu finden, die andere gemacht haben und die auch durch nichts mehr wieder gut zu machen sind. Für diesen Negaholikertypus ist das Leben stets von Wehmut, Ärger und Anklagen gekennzeichnet. Zu seinem Sprachgebrauch gehören Ausdrücke wie: "Hätte wir bloß ..." oder "Wäre doch nicht ...". Der vorzeitige Abwerter Sie verurteilen am liebsten noch vor der Beweisaufnahme und machen sich und andere zur Schnecke, noch bevor sie überhaupt etwas angestellt haben. Aufgrund negativer Erfahrungen und Einstellungen ziehen sie voreilige Schlüsse, klagen sich und andere an, noch bevor der Tathergang geprüft und Beweismittel erstellt worden sind. Bei diesem Typus kann die sich-selbst-erfüllende Prophezeiung am gnadenlosesten zuschlagen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass ihre negativen Gedanken deren Realisierung natürlich noch begünstigen oder unter Umständen sogar erst verursachen. Der Fallensteller Er ist derjenige, der um Hilfe, Unterstützung, Beistand oder Rat bittet, doch letztendlich diese Hilfe wieder zurückweist mit der Erklärung, dass das, was man ihm vorschlägt nicht funktionieren wird oder dass es bereits versucht wurde und von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Natürlich liebt er es, eine Situation komplizierter zu machen, als man sie sich überhaupt vorstellen kann. Er schafft damit eine Eigendynamik, bei der man nur verlieren kann. Typische Bemerkung: „Ich habe es ja gleich gewußt ...!". Der Klagende Auf Neuerungen aller Art reagiert dieser Negaholikertyp mit der Bemerkung: "Das hab ich auch schon probiert, das funktioniert doch sowieso nicht.". Er ist allem Positiven gegenüber blind, sein Weltbild betrachtet er durch einen selbstgebauten Negativfilter. Natürlich erkennt er nicht, dass er dieses System selbst geschaffen hat. Er glaubt vielmehr, das Leben sei nun einmal so und man könne doch nichts ändern. Der Unheilsbote Er ist sozusagen ein wandelnder Katastrophenfilm! Er erwartet stets das schlimmste Unheil, die größte Tragik und völliges Desaster. Angst ist ihm zur zweiten Natur geworden, und so lebt er in einem Zustand, in dem er sich stets das Schlimmste ausmalt, das überhaupt passieren könnte. Interessant ist, dass Unheilsboten oftmals auch gerade das anziehen, was sie befürchten Der Weltuntergangsprophet Er ist ein enger Verwandter des Unheilsboten, nur ist bei ihm alles noch viel hoffnungsloser. Deshalb enden seine Sätze auch meist mit einem Ausrufezeichen. Er resigniert sehr schnell und regt sich eigentlich über nichts mehr auf. Seinen Reaktionen fehlt jeder Funke von Lebendigkeit. Falls er wider besseren Wissens doch einmal ein Flugzeug betritt, dann sicherlich mit dem Hinweis: "Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegt, dann hätte er ihm Flügel gegeben." Acht Möglichkeiten zur Veränderung: 1. Alles in meinem Leben als einen Spiegel meines Selbst ansehen: meine Gedanken 2. Meinen Träumen, meiner Inspiration, meiner Intuition nachgehen und ergründen, 3. Mich selbst annehmen und bedingungslos (= ohne Bedingung) lieb haben. 4. Bewegung in mein Leben hineinlassen und bewusst die Meinung anderer suchen. 5. An mich selbst ebenso glauben wie an andere und auch an das Unmögliche. 6. Probleme als Herausforderungen erkennen und nur noch lösungsorientiertes Denken zulassen. 7. Meine eigene Mitte suchen und innere Harmonie finden. 8. Jeden Tag meines Lebens genießen und an dem, was ich tue, Spaß haben. Albrecht Henze |
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